Demokratische Republik Kongo: Félix Tshisekedi startet einen nationalen Dialog ohne Rebellen
Angesichts der steigenden politischen Spannungen in der Demokratischen Republik Kongo kündigt Félix Tshisekedi eine umfassende nationale Konsultation an, die darauf abzielt, das Klima im Land zu beruhigen. Der Prozess soll politische Parteien, die Zivilgesellschaft und verschiedene Bevölkerungsgruppen einbeziehen, jedoch sind bewaffnete Gruppen ausgeschlossen. Eine Entscheidung, die die Kritik der Opposition anheizen könnte, während die Debatte über eine mögliche Verfassungsreform an Intensität zunimmt.
Eine Konsultation in zwei Phasen
Der kongolesische Präsident möchte eine neue politische Phase einleiten.
In einer am Donnerstagabend im nationalen Fernsehen ausgestrahlten Ansprache kündigte Félix Tshisekedi die Einberufung eines Dialogs an, der darauf abzielt, die Spannungen im Land zu verringern. Der Prozess beginnt mit Konsultationen, die in den 26 Provinzen der Demokratischen Republik Kongo organisiert werden, bevor er mit nationalen Diskussionen in Kinshasa endet.
Der genaue Zeitplan und die praktischen Modalitäten müssen noch bekannt gegeben werden. Der Staatschef hat jedoch eine Frist gesetzt: Der gesamte Prozess darf drei Monate nicht überschreiten.
Diese Initiative erfolgt in einem besonders sensiblen politischen Kontext, der unter anderem durch die Debatte über eine mögliche Änderung der Verfassung geprägt ist.
Bewaffnete Gruppen von den Gesprächen ausgeschlossen
Eine der Hauptbesonderheiten des Projekts ist die Liste der Teilnehmer.
Félix Tshisekedi möchte politische Parteien, Organisationen der Zivilgesellschaft, religiöse und traditionelle Führer, Vertreter der Wirtschaft, Akademiker sowie Jugend- und Frauenorganisationen an den Tisch bringen. Auch Kongolesen, die im Ausland leben, sollen in die Konsultationen einbezogen werden.
Im Gegensatz dazu können bewaffnete Gruppen und Personen, die laut dem Präsidenten im Namen ausländischer Mächte handeln, nicht teilnehmen.
Dieser Ausschluss betrifft insbesondere die AFC/M23, eine von Ruanda unterstützte Rebellengruppe, die nach Angaben Kinshasas große Teile des Gebiets im Osten des Landes kontrolliert.
Die Entscheidung des Präsidenten könnte zu einem der Hauptstreitpunkte im zukünftigen Dialog werden.
Die Verfassungsfrage im Zentrum der Spannungen
Hinter dieser Initiative steht eine zunehmend sensible politische Debatte.
Ein im Juni verabschiedetes Gesetz eröffnet die Möglichkeit, bestimmte Verfassungsänderungen per Referendum zur Abstimmung zu bringen. Die Anhänger von Félix Tshisekedi befürworten offen die Idee einer Reform, die es ihm ermöglichen könnte, sich um ein neues Mandat zu bewerben.
Die kongolesische Verfassung beschränkt derzeit den Präsidenten auf zwei Amtszeiten von fünf Jahren. Félix Tshisekedi wurde 2018 zum ersten Mal gewählt und 2023 wiedergewählt. Sein derzeitiges Mandat soll theoretisch 2028 enden.
Der Staatschef hatte bereits früher in diesem Jahr erklärt, dass er sich erneut zur Wahl stellen würde, wenn die Kongolesen dies wünschten.
Diese Perspektive schürt seit mehreren Monaten die Sorgen der Opposition und verschiedener einflussreicher Akteure der kongolesischen Gesellschaft.
Die katholische Kirche und die Opposition lehnen das Projekt ab
Die Aussicht auf eine Verfassungsreform stößt insbesondere auf Widerstand der katholischen Kirche, die in der Demokratischen Republik Kongo besonders einflussreich ist, sowie von mehreren politischen Parteien.
Eine im Juni organisierte Demonstration gegen das Reformprojekt wurde gewaltsam von den Sicherheitskräften aufgelöst.
Die Gegner der Regierung fordern nun einen Prozess, den sie als inklusiver empfinden. Sie wünschen sich insbesondere, dass die Diskussionen auch bewaffnete Gruppen sowie Anhänger des ehemaligen Präsidenten Joseph Kabila einbeziehen.
Der angekündigte Ausschluss der bewaffneten Gruppen könnte daher die Suche nach einem nationalen Konsens erschweren, insbesondere in einem Land, in dem politische und sicherheitspolitische Fragen eng miteinander verbunden sind.
Ein Dialog in einem Kontext multipler Krisen
Der zukünftige Dialog wird nicht in einem beruhigten Umfeld stattfinden.
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo bleibt die Sicherheitslage fragil, mit großen Gebieten, die unter der Kontrolle bewaffneter Gruppen stehen. Hinzu kommt nun eine weitere Dringlichkeit: eine Ebola-Epidemie, die sich schnell im Land ausbreitet.
Die Regierung muss daher ihren politischen Prozess führen, während sie gleichzeitig mit erheblichen Sicherheits- und Gesundheitsherausforderungen konfrontiert ist.
Ein politisches Risiko
Mit der Ankündigung dieses Dialogs versucht Félix Tshisekedi, die Initiative angesichts einer wachsenden Opposition gegen die institutionelle Zukunft des Landes zurückzugewinnen.
Die angekündigte Konsultation könnte einen Raum für Diskussionen zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen in Kongo bieten. Ihr Erfolg wird jedoch weitgehend davon abhängen, ob es gelingt, die Opposition und die Zivilgesellschaft von der Neutralität des Prozesses zu überzeugen.
Die Abwesenheit der bewaffneten Gruppen ist bereits ein umstrittenes Thema, während die Debatte über ein mögliches drittes Mandat den Präsidenten unter zunehmenden politischen Druck setzt.
Der von Félix Tshisekedi angestrebte Dialog könnte somit entweder ein Instrument zur Entspannung oder ein neues Schlachtfeld der politischen Auseinandersetzung werden.
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