Humanoide Roboter: Hyundai bereitet deren Vermarktung in seinem Händlernetz vor
Und wenn Autohäuser morgen Verkaufsstellen für humanoide Roboter werden? Hyundai Motor untersucht diese Möglichkeit, indem es auf sein Netzwerk von Händlern und auf bereits entwickelte Finanzierungslösungen für Automobile zurückgreift. Die Ankündigung, die von José Muñoz während des Investorentages 2026 in Seoul gemacht wurde, verdeutlicht die Ambition des südkoreanischen Herstellers, Robotik zu einem echten Geschäftsbereich zu transformieren.
Autohäuser zur Verteilung von Robotern
Hyundai Motor plant, sein Netzwerk von Händlern zu nutzen, um bestimmte Roboter von Boston Dynamics zu vermarkten, insbesondere humanoide Modelle und vierbeinige Roboter. José Muñoz, CEO von Hyundai Motor, erklärte, dass die Gruppe bereits über ein Vertriebs-Potenzial durch ihre Automobilpartner verfügt.
Der Hersteller prüft auch die Möglichkeit, angepasste Finanzierungslösungen für Roboter anzubieten. Hyundai Capital, das traditionell den Kauf von Fahrzeugen unterstützt, untersucht die Machbarkeit eines ähnlichen Modells für robotische Geräte.
Das Projekt befindet sich jedoch noch in einer explorativen Phase. Hyundai hat noch nicht konkretisiert, ob diese zukünftigen Verkaufsstellen hauptsächlich an Privatpersonen, Unternehmen oder beide Kundengruppen gerichtet sein würden.
Diese Unsicherheit ist bedeutend: Im Gegensatz zu einem Auto stellt ein humanoider Roboter immer noch ein aufkommendes Produkt dar, dessen Anwendungen, Preise und After-Sales-Services sich noch in vollem Wandel befinden.
Boston Dynamics, ein Schlüsselstück der Robotikstrategie
Diese Offensive ist Teil einer Strategie, die seit mehreren Jahren verfolgt wird. Im Jahr 2021 hatte die Hyundai Motor Group eine Mehrheitsbeteiligung von 80 % an Boston Dynamics erworben, im Rahmen einer Transaktion, die das amerikanische Unternehmen auf etwa 1,1 Milliarden Dollar bewertete.
Im Juli 2026 kündigte die Gruppe ihre Absicht an, die verbleibende Beteiligung von SoftBank zu erwerben, um die vollständige Kontrolle über Boston Dynamics zu übernehmen. Diese Maßnahme soll die Integration zwischen amerikanischen Robotertechnologien und den industriellen Fähigkeiten der südkoreanischen Gruppe stärken.
Boston Dynamics verfügt bereits über ein Sortiment, das hauptsächlich für professionelle Umgebungen bestimmt ist. Spot, sein vierbeiniger Roboter, ist insbesondere für Inspektionen und Überwachung von Industrieanlagen konzipiert. Stretch hingegen ist auf logistische Operationen, insbesondere auf die Handhabung von Waren, spezialisiert.
Aber vor allem Atlas konzentriert die Ambitionen von Hyundai. Dieser humanoide Roboter soll schrittweise vom experimentellen Stadium in ein industrielles Werkzeug überführt werden, das in großem Maßstab eingesetzt wird.
Atlas soll in amerikanische Fabriken einziehen
Hyundai plant, Atlas ab 2028 in seinem Industriekomplex Metaplant America in Georgia einzusetzen. Zunächst soll der Roboter an der Sequenzierung von Teilen teilnehmen. Seine Aufgaben könnten sich ab 2030 auf die Montage von Komponenten ausweiten.
Die Gruppe strebt gleichzeitig an, eine Produktionskapazität von bis zu 30.000 Robotern pro Jahr ab 2028 aufzubauen. Dieser Ausbau soll es Hyundai ermöglichen, von einer internen Nutzung der Robotik zu einem breiteren Vermarktungs- und Einsatzansatz überzugehen.
Der Hersteller entwickelt auch in den USA das Robot Metaplant Application Center, das dem Training, der Validierung und den Tests von Robotern mit künstlicher Intelligenz in realen industriellen Umgebungen gewidmet ist.
Das Ziel besteht also darin, schrittweise eine vollständige Kette zu schaffen: Entwurf, Lernen, Produktion, Einsatz, Vertrieb und Finanzierung. Ein Ansatz, der die Robotik näher an das traditionelle industrielle Modell von Hyundai heranführt.
Ein noch junger, aber zunehmend wettbewerbsfähiger Markt
Hyundai ist nicht allein darin, humanoide Roboter in kommerzielle Produkte zu verwandeln. Der Sektor zieht mittlerweile zahlreiche Akteure an, sowohl aus der Robotik als auch aus der Automobilindustrie.
Unternehmen wie 1X oder Unitree entwickeln Roboter für den Hausgebrauch oder experimentelle Anwendungen, während mehrere Automobilhersteller bereits humanoide Roboter in ihren Fabriken testen.
BMW arbeitet beispielsweise mit Figure, Toyota kooperiert mit Agility Robotics und Mercedes-Benz experimentiert mit Robotern von Apptronik. Tesla verfolgt parallel die Entwicklung und Produktion seines humanoiden Roboters Optimus.
Diese Konkurrenz könnte die Kosten senken, die Fähigkeiten verbessern und die Anwendungen diversifizieren. Doch der Verbrauchermarkt ist noch weit davon entfernt, die Reife des Automobilmarktes zu erreichen.
Hyundai will ein Unternehmen für „physical AI“ werden
Das Interesse von Hyundai an Robotern geht über die bloße kommerzielle Diversifizierung hinaus. Der Hersteller versucht, sich auf das zu positionieren, was er als „physical AI“ bezeichnet, also eine künstliche Intelligenz, die in der Lage ist, direkt mit der physischen Welt über Roboter, Fahrzeuge und Infrastrukturen zu interagieren.
Die Robotik ist eines der Säulen einer umfassenderen Transformation, die während des Investorentages angekündigt wurde. Hyundai plant, bis 2030 weltweit über 100 Automodelle auf den Markt zu bringen oder zu erneuern und strebt eine operative Marge von über 9 % bis zu diesem Zeitpunkt an. Die Gruppe plant außerdem, ihre weltweite Produktionskapazität um 1,27 Millionen Fahrzeuge zu erhöhen, darunter 500.000 zusätzliche Einheiten in Nordamerika.
Im Bereich der autonomen Mobilität wird Hyundai außerdem ab dem vierten Quartal 2026 damit beginnen, IONIQ 5 zu liefern, die für die Robotaxis von Waymo angepasst sind.
Die Strategie skizziert also einen neuen Rahmen für den Hersteller: Autos zu produzieren, aber auch Roboter, autonome Technologien und Mobilitätslösungen zu entwickeln, die auf künstlicher Intelligenz basieren.
Vom Auto-Showroom zum Roboterladen?
Die Idee, einen humanoiden Roboter neben einem SUV in einem Hyundai-Händler auszustellen, mag noch futuristisch erscheinen. Sie könnte jedoch Realität werden, wenn es der Gruppe gelingt, Atlas und die anderen Maschinen von Boston Dynamics in Produkte zu verwandeln, die für Unternehmen und Privatpersonen ausreichend zuverlässig, zugänglich und nützlich sind.
Für Hyundai besteht die Herausforderung jedoch nicht nur darin, Roboter herzustellen. Es geht auch darum, ein kommerzielles Ökosystem zu schaffen, das in der Lage ist, sie zu vertreiben, zu finanzieren und ihre Begleitung sicherzustellen. Sein Händlernetz könnte langfristig eines der Glieder dieser neuen Wertschöpfungskette werden.
Der nächste Schritt wird daher entscheidend sein: eine spektakuläre Technologie in ein wiederkehrendes kommerzielles Produkt zu transformieren. Wenn Hyundai dies gelingt, könnten seine Händler allmählich zu weit mehr als nur Orten werden, an denen man ein Auto kauft.
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