Afrika: IWF prognostiziert wirtschaftliche Machtverschiebung bis 2031

Saturday 25 April 2026 - 13:00
Afrika: IWF prognostiziert wirtschaftliche Machtverschiebung bis 2031

In einem globalen Kontext anhaltender geopolitischer Spannungen, insbesondere im Nahen Osten und entlang strategischer Energierouten, zeichnen die jüngsten Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF), die im April 2026 auf der Frühjahrstagung in Washington vorgestellt wurden, ein tiefgreifendes Umwälzen der afrikanischen Wirtschaftslandschaft nach. Während der Kontinent bis 2031 voraussichtlich ein Wirtschaftswachstum von fast 55 % verzeichnen wird, geht diese Dynamik mit einer beispiellosen Neuausrichtung der Machtverhältnisse zwischen den wichtigsten Volkswirtschaften einher.

Im Zentrum dieser Neustrukturierung steht Ägypten, das sich zum künftigen Wirtschaftsmotor des Kontinents entwickelt. Angetrieben von einer ambitionierten Diversifizierungsstrategie, die Tourismus, Agrarwirtschaft und die Erschließung neuer Gasvorkommen kombiniert, wird erwartet, dass das Land Südafrika bis 2030 überholen wird. Das Bruttoinlandsprodukt wird für 2031 auf über 665 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die südafrikanische Wirtschaft hingegen, trotz ihrer historischen Dominanz, hat Schwierigkeiten, ihr Wachstum aufrechtzuerhalten. Energieengpässe und logistische Herausforderungen begrenzen das Wachstum auf rund 35 % im genannten Zeitraum.

Nigeria befindet sich nach den Währungsturbulenzen in einer Erholungsphase. Unterstützt durch den Ausbau der Dangote-Raffinerie und die wieder anziehende Ölproduktion, wird das Land voraussichtlich bis 2026 wieder zu den drei größten afrikanischen Volkswirtschaften gehören, trotz anhaltender Herausforderungen, insbesondere beim Zugang zu Elektrizität.

In diesem sich wandelnden Umfeld festigt Marokko seine Position dank eines diversifizierten Wirtschaftsmodells. Der Aufstieg der Automobilindustrie, die sich zu einer tragenden Säule entwickelt hat und traditionelle Sektoren wie Phosphate und Tourismus überflügelt hat, sowie führende Infrastrukturprojekte wie der Hafen von Tanger Med steigern die Attraktivität des Königreichs. Es wird erwartet, dass das Königreich bis 2031 ein BIP von über 280 Milliarden US-Dollar erreichen wird, zusätzlich beflügelt durch die Aussicht auf die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2030.

Gleichzeitig entstehen neue Wirtschaftsmächte. Äthiopien verzeichnet das schnellste Wachstum auf dem Kontinent mit einem prognostizierten Wachstum von über 120 %, angetrieben durch Wirtschaftsreformen und große Infrastrukturprojekte wie den Grand Ethiopian Renaissance Dam. Auch die Demokratische Republik Kongo, reich an Bodenschätzen, zählt zu den zehn größten Volkswirtschaften Afrikas und verdeutlicht das transformative Potenzial einiger Länder.

Algeriens Wachstum hingegen wird trotz technischer Anpassungen des BIP durch die anhaltende Abhängigkeit von Kohlenwasserstoffen gebremst. Diese Situation verdeutlicht die strukturellen Herausforderungen, denen sich nicht diversifizierte Volkswirtschaften in einem instabilen internationalen Umfeld gegenübersehen.

Trotz dieser Entwicklungen bleibt Afrikas Rolle in der Weltwirtschaft bescheiden. Afrikas Anteil am globalen Wohlstand wird voraussichtlich von 2,64 % im Jahr 2025 auf etwas über 3 % im Jahr 2031 steigen. Betrachtet man den Kontinent jedoch als Einheit, könnte er weltweit den siebten Platz erreichen und einige große europäische Volkswirtschaften überholen.

In diesem Zusammenhang werden die kommenden Jahre entscheidend sein, um dieses Potenzial in nachhaltiges und inklusives Wachstum umzuwandeln. Die Nutzung natürlicher Ressourcen, verbunden mit demografischer Dynamik und der Integration neuer Technologien wie künstlicher Intelligenz, könnte eine neue Ära der Entwicklung für Afrika einläuten, vorausgesetzt, strukturelle Herausforderungen werden bewältigt und eine gerechtere Verteilung des Wohlstands gewährleistet.



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