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Marokko und Algerien: Zwei gegensätzliche Wirtschaftsvisionen im Rennen um den afrikanischen Gipfel

Marokko und Algerien: Zwei gegensätzliche Wirtschaftsvisionen im Rennen um den afrikanischen Gipfel
Wednesday 05 March 2025 - 11:11
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Die wirtschaftliche Rivalität zwischen Marokko und Algerien nimmt zu, wobei jedes der beiden Länder ein völlig anderes Wirtschaftsmodell verfolgt. Während Marokko seinen diversifizierten privaten Sektor weiter stärkt, bleibt Algerien weitgehend vom öffentlichen Sektor abhängig und wird stark von großen Staatsunternehmen wie dem Ölgiganten Sonatrach dominiert.

Besonders deutlich wird diese Divergenz im Ranking „A Champions Africa 500“ der französischen Zeitschrift „Jeune Afrique“. Diesem Bericht zufolge sind in dieser Rangliste 54 marokkanische Unternehmen vertreten, davon 39 privater Natur. Demgegenüber stehen lediglich 13 algerische Unternehmen, von denen 10 dem öffentlichen Sektor angehören.

Obwohl marokkanische Unternehmen 7,6 % des Gesamtumsatzes der Unternehmen im Ranking ausmachen, erwirtschaften algerische Unternehmen 12 % des Gesamtumsatzes. Dieser Unterschied verdeutlicht deutlich die gegensätzlichen Wirtschaftsmodelle der beiden Länder: Marokko wird von einem dynamischen und diversifizierten privaten Sektor getragen, während die algerische Wirtschaft nach wie vor vom Staat und seinen öffentlichen Unternehmen dominiert wird.

Die marokkanische Wirtschaft zeichnet sich durch ihre Vielfalt aus und verfügt über führende Unternehmen in Sektoren wie Phosphate, Automobile, Telekommunikation, Banken und Energie. Dieses vielfältige Wirtschaftsgefüge ermöglicht es Marokko, globalen Konjunkturschwankungen besser standzuhalten. So bleibt beispielsweise Office Chérifien des Phosphates (OCP) trotz der Herausforderungen durch die geringe Industrialisierung und das langsame Wachstum in bestimmten Sektoren eines der wichtigsten Unternehmen der Region.

Allerdings steht Marokko vor strukturellen Herausforderungen. Zu diesen zählen die Schwäche seines Industriesektors, die Abhängigkeit von Importen und die geringe Größe seines Binnenmarktes. Trotz dieser Hindernisse deuten Prognosen darauf hin, dass das Königreich seine Bemühungen zur Stimulierung des privaten Sektors fortsetzen wird, was langfristig zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung führen könnte.

Andererseits ist die algerische Wirtschaft nach wie vor stark von natürlichen Ressourcen, vor allem von Kohlenwasserstoffen, abhängig und daher anfällig für fallende Ölpreise. Der Mangel an echter Diversifizierung würde für die algerische Wirtschaft ein erhebliches Risiko bedeuten, falls die Einnahmen aus dem Ölgeschäft deutlich zurückgehen sollten.

Sonatrach, das nationale Ölunternehmen, steht an der Spitze der „A Champions Africa 500“-Rangliste, obwohl sein Umsatz im Jahr 2023 um 8 % zurückging, was die Herausforderungen verdeutlicht, vor denen Algeriens von Öl und Gas abhängige Wirtschaft steht. Diese Situation spiegelt auch die Dominanz des öffentlichen Sektors über die großen Unternehmen des Landes wider, ein Faktor, der das Potenzial für nachhaltiges Wachstum der algerischen Wirtschaft begrenzt.

Abschließend lässt der Bericht von „Jeune Afrique“ darauf schließen, dass Marokko dank der Vielfalt seiner Sektoren auf einem Kurs nachhaltigen Wirtschaftswachstums liege, während Algerien aufgrund seiner starken Abhängigkeit vom öffentlichen Sektor und den natürlichen Ressourcen vor großen Herausforderungen stehe.

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