EU warnt vor aufkommender online-gesteuerter extremistischer Bedrohung unter Jugendlichen
Europäische Behörden warnen vor einer aufkommenden Form von gewalttätigem Extremismus, die zunehmend von Jugendlichen in Online-Communities betrieben wird, und beschreiben sie als wachsendes Sicherheitsproblem für den Kontinent.
Laut einem Bericht des EU-Koordinators für Terrorismusbekämpfung, Bartjan Wegter, ist das Phänomen durch eine Faszination für Gewalt selbst gekennzeichnet, anstatt durch ein klar definiertes politisches, religiöses oder ideologisches Ziel. Online-Communities können jungen Nutzern Räume bieten, in denen gewalttätige Inhalte, Bekanntheit und sozialer Status eng miteinander verbunden sind.
Eine Sicherheitsoperation, an der Polizeikräfte aus neun europäischen Ländern im Juni und Juli beteiligt waren, identifizierte Berichten zufolge etwa 4.340 URLs, die mit einem Online-Netzwerk namens „The Com“ verbunden sind, das Ermittler als wichtige Plattform für diese Art von Aktivitäten betrachten.
Die Warnung erfolgt, während europäische Länder weiterhin mit einer breiteren Terrorismusbedrohung konfrontiert sind. Im vergangenen Jahr wurden in 10 EU-Mitgliedstaaten 45 terroristische Anschläge verzeichnet. Obwohl keiner als schwerwiegender Vorfall eingestuft wurde, führten die Angriffe zu sechs Todesfällen, während die Behörden 486 Personen im Zusammenhang mit terrorismusbezogenen Fällen festnahmen. Mehr als 70 % der Festgenommenen standen Berichten zufolge in Verbindung mit jihadistischen Gruppen.
Der Bericht hebt auch die herausragende Rolle von Minderjährigen in aufkommenden extremistischen Netzwerken hervor. Etwa ein Drittel der Festgenommenen war unter 18 Jahre alt, die meisten von ihnen männlich. Europäische Behörden haben zunehmend Bedenken geäußert, wie Online-Plattformen verletzliche Teenager gewalttätigem Material aussetzen und den Kontakt zu extremistischen Gemeinschaften erleichtern können.
Wegter bemerkte, dass nihilistischer gewalttätiger Extremismus durch offizielle Statistiken schwer zu messen ist, da die Definitionen variieren und das Phänomen mit gewöhnlicher krimineller Aktivität überlappen kann. Eine Reihe von aktuellen Fällen hat jedoch Bedenken über seine Entwicklung geweckt. Die Behörden haben auf Vorfälle hingewiesen, bei denen Jugendliche angeblich durch Gewalt, Bekanntheit oder den Wunsch, innerhalb von Online-Communities Anerkennung zu gewinnen, motiviert waren.
Der EU-Koordinator beschrieb das Phänomen als eine Form von „Faszination für Gewalt“, bei der gewalttätige Taten ein Mittel werden können, um Identität, Anerkennung oder Status unter Online-Gleichaltrigen zu suchen. Dies stellt besondere Herausforderungen für die Strafverfolgung dar, da einige potenzielle Täter keine Vorstrafen haben und ihre Aktivitäten möglicherweise in verschlüsselten Online-Räumen verborgen bleiben.
Die Behörden überwachen auch Gruppen wie 764, ein Online-Netzwerk, das mit der Ausbeutung und Radikalisierung von Jugendlichen in Verbindung steht. Obwohl dessen Gründer inhaftiert wurde, sagen europäische Beamte, dass das Netzwerk und verwandte Gemeinschaften weiterhin Sicherheitsbedenken aufwerfen.
Die wachsende Rolle digitaler Plattformen macht Terrorismusbekämpfungsuntersuchungen zunehmend abhängig von Online-Intelligenz. Wegter sagte, dass etwa 85 % der Ermittlungen jetzt ein digitales Element beinhalten, was die Notwendigkeit unterstreicht, dass Polizeikräfte über geeignete technologische und ermittlungsbezogene Werkzeuge verfügen.
Der Bericht warnt auch, dass Künstliche Intelligenz die Bedrohungslage weiter komplizieren könnte, indem sie zur Erstellung von Propaganda, zur Anwerbung neuer Rekruten und möglicherweise zur Planung gewalttätiger Angriffe eingesetzt wird. Europäische Behörden fordern daher eine stärkere internationale Zusammenarbeit und eine verbesserte Koordination zwischen den Strafverfolgungsbehörden, um aufkommende Bedrohungen zu identifizieren, bevor sie sich in Gewalttaten entwickeln.
Die jüngste Warnung spiegelt einen breiteren Wandel in der europäischen Sicherheitslandschaft wider, in der die Behörden zunehmend nicht nur auf etablierte extremistische Organisationen, sondern auch auf dezentralisierte Online-Communities fokussiert sind, die in der Lage sind, Jugendliche zu beeinflussen, ohne auf traditionelle ideologische Strukturen angewiesen zu sein.
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