Atomenergie: Saudi-Arabien bereitet Verstärkung der Kontrollbefugnisse der IAEA vor
Saudi-Arabien könnte bald ein erweitertes Kontrollsystem für die Atomenergie von der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) akzeptieren. Laut Rafael Grossi, dem Generaldirektor der Organisation, arbeitet Riad an Maßnahmen, die, ohne das Zusatzprotokoll der IAEA vollständig zu übernehmen, ihm vergleichbare Inspektionsbefugnisse in bestimmten Aspekten verleihen könnten.
Diese Entwicklung erfolgt, während die Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien im Juli ein Kooperationsabkommen im Bereich der zivilen Atomenergie abgeschlossen haben.
Ein Atomabkommen, das die Frage der Inspektionen aufwirft
Das zwischen Washington und Riad geschlossene Abkommen soll die amerikanische Zusammenarbeit beim Ausbau der saudischen zivilen Atomenergie regeln. Es öffnet insbesondere den Weg für die Nutzung amerikanischer Technologien zum Bau von Reaktoren und sieht die Möglichkeit vor, dass Saudi-Arabien Kapazitäten zur Anreicherung von Uran entwickelt.
Dieser letzte Punkt stellt ein besonders sensibles Thema für das internationale Regime zur Nichtverbreitung von Nuklearwaffen dar. Anreicherung kann für zivile Anwendungen dienen, aber die damit verbundenen Technologien und Infrastrukturen können auch strategische Dimensionen haben.
In diesem Kontext erscheint das Niveau der Kontrolle, das die IAEA über die saudischen Nuklearaktivitäten ausübt, als zentrales Element der zukünftigen Zusammenarbeit.
Riad wird das Zusatzprotokoll voraussichtlich nicht unterzeichnen
Das Zusatzprotokoll der IAEA ermöglicht es den Inspektoren, über deutlich größere Befugnisse zu verfügen als die, die durch die klassischen Garantien vorgesehen sind. Es erleichtert insbesondere den Zugang zu einem breiteren Spektrum an Standorten und Informationen, um mögliche nicht gemeldete Nuklearaktivitäten zu erkennen.
Laut Rafael Grossi sieht das amerikanisch-saudische Abkommen jedoch nicht vor, dass Riad formal diesem Protokoll beitritt.
Saudi-Arabien könnte jedoch einige Bestimmungen einführen, die der internationalen Agentur erweiterte Verifikationsmöglichkeiten bieten. Der Generaldirektor der IAEA schätzt, dass die laufenden Gespräche in mehreren Punkten dem Kontrollniveau des Zusatzprotokolls näherkommen.
Ein strategisches Anliegen für das saudische Atomprogramm
Die Entwicklung der Nuklearindustrie ist eines der Ziele der Energiestrategie Saudi-Arabiens. Riad versucht, sein Energiemix zu diversifizieren und seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen schrittweise zu reduzieren, während es neue industrielle und technologische Kapazitäten entwickelt.
Die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten könnte dieses Ziel beschleunigen. Doch der Ausbau der saudischen Nuklearkapazitäten geht notwendigerweise mit erhöhten internationalen Anforderungen an Transparenz und Verifizierung einher.
Für die IAEA besteht das Ziel darin, über ausreichend präzise Informationen zu verfügen, um sicherzustellen, dass die gemeldeten Aktivitäten tatsächlich den angegebenen Verwendungen entsprechen.
Der iranische Präzedenzfall im Hintergrund
Die Frage des Zusatzprotokolls hat auch eine geopolitische Dimension. Der Iran hatte im Rahmen des 2015 mit den großen Mächten geschlossenen Nuklearabkommens erweiterte Kontrollmechanismen akzeptiert.
Der Vergleich ist umso wichtiger, als Saudi-Arabien und der Iran zwei rivalisierende Mächte im Nahen Osten sind, auch wenn ihre Beziehungen in den letzten Jahren eine Phase der Annäherung durchlaufen haben.
Die Entscheidung Riad über den Grad der internationalen Überwachung seines Nuklearprogramms wird daher über seine Grenzen hinaus genau beobachtet werden.
Grossi spricht von einem "nahen" System in bestimmten Punkten
Rafael Grossi hat erklärt, dass Elemente, die derzeit vorbereitet werden, das saudische System dem durch das Zusatzprotokoll angebotenen annähern könnten, ohne dass Riad formal beitreten müsste.
Diese Formel spiegelt das Vorhandensein eines potenziellen Kompromisses zwischen den zivilen Nuklearambitionen Saudi-Arabiens, den amerikanischen Anforderungen und den Bedenken der IAEA wider.
Für die UN-Agentur wird es künftig darum gehen, festzustellen, ob die letztendlich angenommenen Mechanismen ein ausreichendes Maß an Transparenz gewährleisten können, während Riad seine Nuklearinfrastrukturen ausbaut.
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