EZB: Die Märkte setzen auf eine weitere Zinserhöhung im September
Die Finanzmärkte verstärken ihre Erwartungen an eine neue geldpolitische Straffung der Europäischen Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung am 9. und 10. September. Laut Marktinformationen, die diese Woche berichtet wurden, könnte die Institution ihren Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,50 % erhöhen, nach einer ersten Erhöhung im Juni.
Diese Aussicht kommt in einem besonders sensiblen Kontext für die Eurozone. Der Anstieg der Energiepreise, der durch geopolitische Spannungen im Nahen Osten angeheizt wird, verstärkt die Inflationsrisiken, während die wirtschaftliche Aktivität in Europa Anzeichen von Widerstandsfähigkeit zeigt. Für die Devisenhändler könnte diese Entwicklung weiterhin den Euro gegenüber dem Dollar und dem britischen Pfund begünstigen.
Eine neue Zinserhöhung wird immer wahrscheinlicher
Die EZB hatte ihren Einlagensatz im Juni auf 2,25 % erhöht, was die erste Zinserhöhung seit fast drei Jahren markierte. Im Juli hatte der Rat der Gouverneure jedoch die Zinssätze unverändert gelassen, während er anmerkte, dass er die Auswirkungen der steigenden Energiepreise und deren mögliche indirekte Effekte auf die Inflation aufmerksam verfolgt.
Seitdem hat sich das Szenario einer neuen Erhöhung im September verstärkt. Quellen, die Reuters zitiert, geben an, dass die Verantwortlichen der EZB sich darauf vorbereiten, den Einlagensatz auf 2,50 % zu erhöhen. Das Ziel wäre, die Übertragung des Energieschocks auf die Inflation zu begrenzen, während der Preisanstieg in der Eurozone nahe 3 % bleibt, deutlich über dem Ziel von 2 % der Zentralbank.
Das Vorstandsmitglied Isabel Schnabel hat am Mittwoch ebenfalls für weitere Erhöhungen plädiert und betont, dass das derzeitige Zinsniveau allein nicht ausreichen würde, um die Inflation nachhaltig in Richtung des EZB-Ziels zu bringen. Sie warnte insbesondere vor dem Risiko, dass die Preisspannungen im Energiesektor anhalten und sich auf andere Bereiche der Wirtschaft ausbreiten könnten.
Die europäische Wirtschaft bietet der EZB mehr Spielraum
Eines der Elemente, die das Szenario einer neuen geldpolitischen Straffung stützen, liegt in der Widerstandsfähigkeit der Aktivität.
Die vorläufigen PMI-Indikatoren, die im August veröffentlicht wurden, zeigten eine Beschleunigung der privaten Aktivität in der Eurozone. Der Composite-Index stieg von 52,0 im Juli auf 52,1 und erreichte den höchsten Stand seit neun Monaten. Im verarbeitenden Gewerbe sprang der PMI für das verarbeitende Gewerbe auf 52,8, den höchsten Wert seit über vier Jahren.
Diese Verbesserung wird insbesondere durch den Anstieg neuer Aufträge und eine Erholung der Beschäftigung im verarbeitenden Sektor getragen. Sie deutet darauf hin, dass die Wirtschaft der Eurozone weiterhin über eine gewisse Fähigkeit zur Absorption der strafferen finanziellen Bedingungen verfügt.
Die Situation bleibt jedoch gemischt. Die Aktivität im französischen Dienstleistungssektor hat sich im August verringert, während Deutschland ein moderates Wachstum seiner Gesamtaktivität verzeichnete, unterstützt durch eine deutliche Verbesserung seiner Industrie.
Der Energieschock bleibt im Mittelpunkt der Sorgen
Die Hauptschwierigkeit für die EZB liegt in der Entwicklung der Energiepreise. Der Konflikt mit dem Iran und die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben dazu beigetragen, die Ölpreise auf hohem Niveau zu halten, wobei Brent laut den in den letzten Tagen zitierten Marktdaten wieder über 90 Dollar pro Barrel gestiegen ist.
Für die Zentralbank beschränkt sich das Problem nicht nur auf die Energie selbst. Ein nachhaltiger Anstieg der Kraftstoffpreise und der Produktionskosten kann sich allmählich auf die Preise von Waren und Dienstleistungen sowie auf die Löhne auswirken. Genau dieses Risiko eines "zweiten Durchgangs", das die geldpolitischen Verantwortlichen zu kontrollieren versuchen, steht im Mittelpunkt.
Die EZB steht somit vor einer Balanceakte: ausreichend zu handeln, um eine erneute Beschleunigung der Inflation zu verhindern, ohne eine übermäßige Abkühlung der europäischen Aktivität auszulösen.
Eine geldpolitische Divergenz, die den Euro stützt
Die Aussicht auf eine restriktivere EZB kommt, während die Investoren die Richtung der US-Notenbank und der Bank of England genau beobachten.
In den Vereinigten Staaten erwarten die Märkte insbesondere die nächsten Hinweise zur Zinspolitik der Fed, während die Inflation über dem Ziel von 2 % bleibt. Die amerikanischen Daten zur PCE-Inflation und die erwartete Rede beim Symposium in Jackson Hole stellen in dieser Hinsicht wichtige Termine für die Devisenhändler dar.
Diese Wahrnehmungsdifferenz zwischen den geldpolitischen Ansätzen kann die Renditedifferenzen zwischen europäischen und amerikanischen Anleihen verändern und damit die relative Attraktivität der Währungen beeinflussen.
Der Euro hat bereits von dieser Dynamik profitiert. Das Währungspaar EUR/USD hat sich kürzlich der Marke von 1,17 Dollar genähert und erreichte den besten Stand seit mehreren Monaten, bevor es leicht zurückging. Die Investoren bleiben jedoch vorsichtig vor den kommenden amerikanischen Zahlen, die die Erwartungen bezüglich der Fed verändern könnten.
Das britische Pfund steht ebenfalls unter Druck
Gegenüber dem Pfund profitiert der Euro ebenfalls von einer Änderung der geldpolitischen Erwartungen. Die Investoren bewerten nun die Richtung der Bank of England anders, in einem Kontext, in dem die britische Wirtschaft Anzeichen von Widerstandsfähigkeit zeigt, aber Inflation und Wachstum schwer zu vereinbaren sind.
Die PMI-Daten für August zeigten insbesondere eine Verbesserung der Aktivität im britischen Dienstleistungssektor, mit einem Index von 52,8, aber die Preisspannungen bleiben vorhanden, insbesondere aufgrund der steigenden Energiepreise.
Die Divergenz zwischen London und Frankfurt könnte somit ein zusätzlicher Unterstützungsfaktor für den Euro auf dem Devisenmarkt werden.
Das Treffen am 10. September wird entscheidend sein
In diesem Stadium scheint das Szenario einer Erhöhung um 25 Basispunkte im September weitgehend in den Märkten eingepreist zu sein. Die eigentliche Frage wird jedoch sein, was die EZB danach tun wird.
Die von Reuters berichteten Informationen deuten darauf hin, dass die Verantwortlichen der Institution einer Erhöhung im September positiv gegenüberstehen, während sie notwendigerweise vermeiden, die Märkte auf eine lange Reihe von Erhöhungen vorzubereiten. Die langfristigen Inflationserwartungen bleiben relativ fest um das Ziel von 2 %, was die Notwendigkeit, sofort weitere Erhöhungen anzukündigen, begrenzen könnte.
Die Entscheidung vom 9. und 10. September wird insbesondere von den neuesten Inflationsdaten und den neuen wirtschaftlichen Projektionen der EZB abhängen. Bis dahin werden die Märkte weiterhin die Energiepreise, die Aktivitätsindikatoren und die Signale anderer großer Zentralbanken genau beobachten.
Für den Euro ist die Herausforderung erheblich: Wenn die EZB ihren restriktiveren Kurs bestätigt, während die Fed und die Bank of England einen relativ vorsichtigeren Ansatz verfolgen, könnte die Zinsdifferenz weiterhin die gemeinsame Währung stützen. Umgekehrt könnte ein deutlicher Rückgang der europäischen Inflation oder eine Verschlechterung der Aktivität dieses Szenario schnell in Frage stellen.
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